Einladen einer Schützenbraut

Das Einladen einer Schützenbraut zum Schützenfest

 

Die Traditionen des JSVs anhand eines Fallbeispieles in:

 

"Knut S. und der Kreuzweg zum Hause Wetter" von unserem Mitglied Don Archi Rehers.

"Von einem der auszog, das Abenteuer des Einladens zu erleben"

Im Leben eines jeden guten Junggesellen sollte zumindest einmal der Tag kommen, an dem er sich auf den Weg macht, die elterlichen Herzen seiner Schützenbraut zu erobern.

Auch wenn es sich im Hiärtken nicht gerade um unwirtliche Weiten handelt, birgt solch ein Unternehmen mancherlei Gefahren, denen sich ein junger Held stellen muß. Aus diesem Grund schart er Verstärkung aus seinem sozialen Umfeld um sich.

Noch vor Anbruch der Abenddämmerung trifft man sich, denn die Zeit drängt. Taktiken und Strategien werden ausgearbeitet und der Kampfanzug übergestreift. Nach althergebrachter Sitte besteht dieser aus einem blauen Kielken und rotem Halstuch, um der Münsterländer Tradition Tribut zu zollen. Als Hort für die Wegzehrung dient seit jeher ein Kuddel, der zumeist von findigen und erfahrenen Kampftrinkern ein wenig "gepimpt"(!) wird, so daß zum Beispiel der als Bester aller Klassen prämierte Bierwagen bereits mit Grill und Faßbier ausgestattet ist.

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Auf diese Weise wird solch ein politisch völlig unbrisanter Treck junger Wilder meist von allen erkannt, beklatscht, bejubelt. Regelrechte Hupkonzerte bekunden die Solidarität motorisierter Mitbürger, die den Weg des Konvois kreuzen.

Nachdem die Bereitschaft des Zapfhahns und der Truppe festgestellt wurde, ist man nun in der Lage, die heimatlichen Gefilde hinter sich zu lassen.

Frohen Mutes wird die Strecke in Angriff genommen. Aus den Augen der tapferen Knappen blitzt die Abenteuerlust. Mit stolzgeschwellter Brust und vollem Bier überwindet man scheinbar problemlos die erste Straßenbiegung. Aber nur scheinbar! Denn schon erhebt der Mundschenk seine Stimme und eine Flasche, prall gefüllt mit erfrischendem roten Naß wird gereicht. Der Mundschenk, der vom nächsten Nachbarn des Einladenen verkörpert wird, verkündet mit der Einfachheit, die ihm wohl nur sein männliches Geschlecht verleihen konnte, eine der goldenen Regeln des Einladens: "Kurve, Knut! Roten!". Voll ungestümen Übermutes läßt sich der junge Anführer der kleinen Zweckgemeinschaft ein kleines Glas stimmungssteigernder Flüssigkeit kredenzen: "Schuldig! Okay, gib her!".

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Spätestens aber nach 10 Kurven innerhalb von 350 Metern sinkt allerdings merklich die Vorfreude auf roten Mutverstärker. Hinzu kommen Auflagen an anderen straßenbautechnischen Besonderheiten. Eine Brücke fordert ebenso eine rote Aufmunterung wie eine Kreuzung.

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Damit auch der Rest der Jungspunde nicht zu kurz (!Wortspiel!) kommt, gibt es Zusatzregeln. An der Kreuzung zum Beispiel verhält es sich so, daß der Chefeinlader doppelt zuschlägt und seine Kumpane ebenfalls versorgt werden.

Aufgrund der Tatsache, daß alle Regularien nur auf Legenden basieren und mündlich überliefert sind, kommt es immer wieder zu anderslautenden Auslegungen. Wohl keine Ausnahme bildet eine Regel, die sich auf einen bestimmten Flüssigkeitsauswurf bezieht. Der Tradition nach muß der erste, der dem Druck der Nieren nachgibt, den Flüssigkeitsverlust postwendend durch 5 Karäffchen blutroten Lebenssaft ausgleichen. Damit dies jedoch nicht als lächerliche Mahnung für alle Schwachstruller mit Schlitzpisserblase abgetan wird, folgt in gestaffelter Reihenfolge die mit Vorsicht zu genießende Menge von 4-3-2-1 Roten für die nachfolgenden Sitzpinkler.

Aber auch einige lokale Prominente aus Kirche und Historie lassen es sich meist nicht nehmen, ihren persönlichen Segen zu erteilen und dafür ihren wohlverdienten Lohn zu empfangen.

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Sowohl der altehrwürdige Tiger als auch der hochwohlgeborene Pater Bruno tun wohlwollend ihre Bewunderung kund.

Aufgrund solch starken Beistands ist es kein Wunder, daß sich der nasse Haufen unaufhaltsam der Höhle des Löwen nähert. Die Zeit der wirklichen Prüfungen bricht an. Während die Mitstreiter durch traditionelle Schützenfestlieder lauthals die Ankunft ankündigen, bereitet sich der Protagonist mental auf weitere Unmengen Alkohol, Zurückweisungen und Koordinationsschwierigkeiten vor. Wird das angestrebte Gehöft erreicht, mag der eine oder andere sich bereits am Ziel wähnen. Doch weit gefehlt! Die Wegzehrung sollte nun schnellst möglich vernichtet werden, da man sonst Gefahr laufen könnte, bei dem Gastgeber nichts Frisches zu bekommen. Bezeichnenderweise kommt einem an diesem Punkt das "Lied des guten Kameraden" in den Kopf.

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Sind alle Beweise eventueller Unzurechnungsfähigkeit beiseite geschafft worden, wird zunächst um die Erlaubnis gebeten, das Grundstück betreten zu dürfen.

Derjenige, der den abschließenden Teil auch noch überlebt, kann sich wahrhaftig als Mann bezeichnen. Das Zeitlimit "Mitternacht" muß unter allen Umständen eingehalten werden, ansonsten steht ein erneuter Aufmarsch an. So bleiben dem tapferen Helden meist weniger als 2 Stunden, die Eltern von der Mannhaftigkeit zu überzeugen. Jedoch ist sowohl die Motorik als auch die Artikulationsfähigkeit stark in Mitleidenschaft gezogen worden, so daß bei jedem Fehlversuch neuer Mut eingeflößt werden muß.

"Leiwe Öllern, leiwen Eugen, leiwe Elisabeth, ick woll ju wull froagen, ow ick mit jure Dochter dütte Joahr up Pingsten, Schütterie fiern dröff?".

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Hat er diesen Satz fehlerfrei beendet, fehlt immer noch die Zustimmung der Eltern, die in der Regel kurz vor 24 Uhr erfolgt. Die komplette Anspannung fällt von dem Lebewesen, das mittlerweile mehr Ähnlichkeit mit einem Wrack als mit einem Mensch hat. Nicht nur die Augenlidmuskulatur kann sich nun entspannen, auch der Magen darf sich wieder Platz schaffen.

Während also der eine sich den Abend noch mal durch den Kopf gehen läßt, genehmigen sich andere bereits den sichtbar schmackhaften Siegesstumpen, der unterwegs in einer Gastschänke erworben wurde.

So geht wieder einmal ein wundervoller und erfolgreicher Tag im Leben eines Junggesellen zur Neige.

Und die Moral von der Geschicht: Bevor man fragt, ist man dicht.